Lettland

10 Highlights der Altstadt im Überblick

Die nachfolgenden Sehenswürdigkeiten sollen einen Ausschnitt dessen verkörpern, was Rigas Altstadt-Besucher in natura erwartet. Die Reihenfolge der ausgesuchten Objekte soll dabei keineswegs deren touristische Wertigkeit widerspiegeln. Vielmehr handelt es sich zum Zwecke der verbesserten Übersicht um eine ungefähre Von-links-nach-rechts-Anordnung, – aus dem gedanklichen Blickwinkel des gegenüberliegenden Daugava-Ufers gesehen. Start des kurzen Rundgangs ist die Verbindung zwischen Vansu-tilts/Brücke und K. Valdemara iela/Straße mit dem Altstadt-Schloss samt Historischem Museum.

 

Petrikirche Riga
Über den Dächern von Riga, im Hintergrund die imposante Petrikirche.

1. Das Schloss/Lettisches Historisches Museum

Das im Norden der Altstadt in Sichtweite der Daugava gelegene Rigaer Schloss entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Es diente den jeweiligen regionalen und überregionalen Machthabern im Laufe seiner langen Geschichte stets als Herrschaftssitz, angefangen beim Deutschen Orden.

 

Heute hat es gleich mehrere Funktionen. Einerseits erfüllt es als Präsidentenpalast seine angestammte politische Funktion. Doch auch in kultureller Hinsicht ist der wuchtige Gebäudekomplex heute von hohem Interesse, denn das Schloss ist auch die Heimat des Lettischen Historischen Museums.

 

2. Die "Drei Brüder"

Die "Drei Brüder" sind ein in der Maza Pils iela/Straße gelegener Gebäudeverbund, erbaut zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Das älteste der drei Bauten, eine ehemalige Konditorei, zeugt eindrucksvoll von den wirtschaftlichen Ursprüngen Rigas. Unter einem Dach wurde gewohnt, gefertigt und Handel betrieben.

 

Mittels in die Decken eingelassener Luken wurden Waren vom oben gelegenen Speicher per Seilzug nach unten befördert. Dem allgemeinen Eindruck zum Trotz, gänzlich original sind die Gebäude nicht. Im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, wurden sie in den 50er Jahren komplett erneuert  und dienen heute als Heimat des Lettischen Architekturmuseums.

 

3. Die Jakobskirche

Die Jakobskirche stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und ist in erster Linie für die ungewöhnliche Anbringung ihrer Glocke bekannt. Diese befindet sich nicht innerhalb, sondern außerhalb des Kirchturms, angebracht unter einer kleinen Überdachung.

 

Schwedentor
Das restaurierte Schwedentor.

4. Das Schwedentor

Das Schwedentor ist eines von einst 25 Stadttoren, die Einlass in die Altstadt Rigas gewährten, wobei alle anderen heute nicht mehr existent sind. Sicher bedauerlich, ein wenig mehr von der mittelalterlichen Wehrarchitektur würde man sich rund um das historische Zentrum Rigas wünschen – zumindest aus touristischer Sicht. So vermittelt einzig und alleine das Schwedentor einen plastischen Eindruck von damals.

 

5. Der Pulverturm

Der Pulverturm ist ein ehemaliges Lager für Schießpulver in der Torna iela/Straße nahe des Boulevard-Rings. Der um 1650 errichtete Rundbau stammt  ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert, wurde zwischenzeitlich jedoch durch einen schwedischen Angriff auf Riga zerstört. An seiner stärksten Stelle ist die Mauer des ehemals in die Stadtmauer integrierten Turmes rund drei Meter dick.

 

Scherzhaft heißt es, dass der Bau wohl auch deshalb der im 19. Jahrhundert durch die Stadtväter angeordneten Abtragung der Stadtmauer standhielt. Man ließ ihn jedenfalls stehen und baute in den 1930er Jahren an. Heute befindet sich in dem Komplex ein interessantes Militärmuseum.

 

6. Dom und Domplatz

Der ab 1211 erbaute Dom zu Riga ist die größte Kirche des Baltikums. Er bietet rund 6.000 Gläubigen Platz. Ostflügel und Altarraum entstammen der Frühphase des Gotteshauses, andere Bereiche wurden später integriert bzw. mussten infolge von Zerstörung und Verfall erneuert werden. Beispiel Turm: 1547 fiel das Original einem Brand zum Opfer. Der Nachfolger, eine um 1590 fertiggestellte  Holzkonstruktion, wurde mit etwa 140 Metern Höhe zum alles überragenden Bauwerk in Riga.

 

Doch auch diese Lösung war nur von vorübergehender Dauer. Das hölzerne Gebälk marodierte in den Folgejahrzehnten stetig vor sich hin und musste 1776 durch die bis heute erhaltene Form (ca. 90 Meter Höhe) ersetzt werden. Dies verdeutlicht beispielhaft, weshalb der Dom  in seiner heutigen Erscheinung zahlreiche architektonische Stilrichtungen in sich vereint.

 

Der im Zentrum der Altstadt gelegene Domplatz gehört zu den beliebtesten Treffpunkten Rigas. Restaurants, Cafes und Bars laden Einheimische und vor allem Touristen zu ein wenig Stärkung und Ruhe ein. Auch finden auf dem  Pflaster häufig kulturelle Veranstaltungen statt, die für zusätzlichen Andrang sorgen. "Belebt" und "sehenswert" sind wohl die passendsten Merkmale des in seiner heutigen Erscheinungsform seit etwa 1850 existenten Umfeldes.

 

7. Große und Kleine Gilde

Sehenswert auch die Häuser der Großen und der Kleinen Gilde, gelegen am Livu-Platz, der größten Freifläche im Herzen der Altstadt. Sie dienten früher deutschen Kaufleuten und Handwerkern als Versammlungsort, heute werden sie für kulturelle Zwecke genutzt.

 

Die so genannte Große Gilde wurde im 14. Jahrhundert gegründet und im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut. Aktuell befindet sich im Inneren des historischen Gebäudes der Konzertsaal der Staatlichen Philharmonie. Das deutlich jüngere Haus der Kleinen Gilde wurde 1866 errichtet und verfügt über eine sehenswerte Innenausstattung.

 

Das Schwarzhäupterhaus rechts im Bild.

8. Schwarzhäupterhaus

Das 1334 auf dem Rathausplatz errichete Schwarzhäupterhaus galt lange Zeit als wichtigster wirtschaftlicher Versammlungsort der Stadt. Denn als Stützpunkt der Großen Gilde verkehrten hier hauptsächlich Kaufleute, um das Geschäftliche im gegenseitigen Informationsaustausch voranzutreiben. Kooperation und Handel legten den Grundstein für die Bedeutung Rigas als überregionale Wirtschaftsmacht und Hansestadt. Später – um 1475 – veränderte sich der Charakter des Hauses deutlich.

 

Nun bezogen die so genannten Schwarzhäupter, eine Vereinigung lediger ausländischer Kaufleute, die oberen Bereiche des Hauses, um zu feiern und zu trinken. Der ursprüngliche Bau  wurde nach dem 2. Weltkrieg, u. a. wegen seiner kaufmännischen Symbolkraft, gesprengt.

 

Die heutige Rekonstruktion wurde erst zur Jahrtausendwende fertig. Dank seiner prächtigen Außenfassade, den originalgetreu wieder errichteten Festsälen und den ausgestellten Kunstobjekten gehört das Schwarzhäupterhaus inzwischen zu den Hauptattraktionen Rigas.

 

9. Petrikirche

Die 1209 erbaute Petrikirche hat im Laufe der Jahrhunderte viel Zerstörung und Wiederaufbau erdulden müssen, zuletzt als Folge des 2. Weltkriegs. Der Wiederaufbau in den 70er Jahren wurde schließlich auch unter zeitgemäßen  Gesichtspunkten vollzogen.

 

Man gab dem Turm einen Aufzug, durch den sich Besucher heute den mühsamen Aufstieg auf eine rund 70 Meter hohe Aussichtsplattform ersparen können. Von hier oben hat man einen schönen Rundblick über die Altstadt. Im Inneren des Gotteshauses werden zeitgenössische Kunstwerke ausgestellt.

 

10. Freiheitsstatue
Das Freiheitsdenkmal vor den Toren der Altstadt (genauer auf dem direkt in die historische Altstadt führenden Brivibas Boulevard) ist ein bedeutendes Symbol für die nationale Souveränität Lettlands. Es wurde im Zuge der ersten lettischen Unabhängigkeit (1918-40) anstelle eines Reiterstandbildes Peters des Großen erbaut. Kein Wunder also, dass die mit Anspielungen an zahlreiche lettische Freiheitskämpfe geschmückte Statue den Sowjets stets ein Dorn im Auge war.

 

Dennoch kam es nie zum geplanten Abriss. Die politische Sprengkraft wäre wohl zu groß gewesen. Daher hat das aus einem rötlichen Granitblock heraus spitz zulaufende Monument die Jahre unbeschadet überstanden. Am höchsten Punkt (über 40 Meter) hält eine weibliche Figur drei Sterne senkrecht in den Himmel, welche die historisch bedeutsamsten Regionen Lettlands – Livland, Kurland und Lettgallen – verkörpern.


Suche