Lettland

Kriegshafen Karosta im Norden von Liepaja

"Karosta" hat sich weit über die Region um Liepaja hinaus zu einem Inbegriff für militärische Macht, Marine und Wehrhaftigkeit entwickelt. Der Kriegshafen a. D. wurde zwischen 1890 und 1905 auf Befehl von Zar Alexander III. errichtet, um Russland bis 1993 (militärischer Abzug aus Lettland) treue Dienste zu leisten. - Zunächst der zaristischen, später der sowjetischen Ostsee-Flotte. Zu Hochzeiten lebten in Karosta über 20.000 Menschen.

 

Karosta Hafen
Skurriles Karosta: Zeitgenössische Vernunft trifft auf militärischen Wahnsinn.

Heute hingegen ist im Norden von Liepaja von der militärischen Lebhaftigkeit  früherer Tage nicht mehr viel zu erkennen. Truppen und schweres Gerät sind Richtung Russland abgezogen, geblieben sind brachliegende Bauten, Hafen- und Wehranlagen. Dennoch hat der Ort bislang wenig von seiner Faszination eingebüßt und wird entsprechend von Touristen aus dem In- und Ausland für Ausflüge in die längst vergangenen Tage sowjetischer Militär-Allmacht genutzt.

 

Fast möchte man meinen, "Karosta" habe endlich seinen Frieden gefunden. Ein Status, der sich mit dem Rückzug der russischen Marine keineswegs von alleine eingestellt hat. Im Gegenteil sogar: Kriminalität, Verfall und Perspektivlosigkeit zehrten massiv am ohnehin verbesserungswürdigen Image des Hafen-Reviers. Man hatte den Norden Liepajas zu meiden, ansonsten drohte Gefahr.

 

Karosta Wehranlage
Weit und breit verstreute Ruinen von Wehranlagen am Strand von Karosta.

Der Wandel kam ungewöhnlich und überraschend zugleich, denn eine ... nahm sich der drohenden Verödung Karostas an, um den leerstehenden Quartieren wieder Sinn und vor allem ein wenig Glanz zu verleihen. Entstanden sind seither ein Kulturzentrum, ein alternativer Kindergarten und verschiedene, teils neumodische Freizeit-Möglichkeiten wie Paintball, Wellenreiten etc., was dem noch vor wenigen Jahren nur unter Gefahr zugänglichen Hafen-Revier einen enormen Popularitätsschub beschert hat.

 

Kleines Schmankerl zum Abschluss: Wer Interesse hat, sich einmal über Nacht einkerkern zu lassen, findet hierzu im ehemaligen Gefängnis Gelegenheit. Das Gebäude dient inzwischen als eine art Erlebnispark mit Schlafgelegenheit, wo man sich die Zimmer- bzw. Zellentür auf Wunsch auch von außen verriegeln lassen kann. Zudem besteht die Möglichkeit, in Isolationshaft bei Wasser, Brot und Schlafentzug ein wenig Läuterung zu erfahren. Sicherlich nur etwas für Freaks, aber wenn es der persönlichen Weiterbildung dient...

 

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