Lettland

Die lettische Fauna - Von Störchen, Bären und großen Mythen

Neben ihrer Verbreitung in freier Wildbahn haben es manche Tierarten bis tief in die lettische Mythologie geschafft. Der Storch beispielsweise gilt vielen Einwohnern noch heute als Glücksbringer und Symbol des Schutzes. Sein Ansehen gleicht dem eines nationalen Heiligtums, er wird geachtet und verehrt.

 

Storch
Störche sind allgegenwärtig in Lettland. Sie sind als Fruchtbarkeitssymbol populäre Tiere.

Weitere Exempel dieser vorchristlichen Tierverbundenheit sind die Schlange oder der Wolf, in mittelalterlichen Überlieferungen ebenso viel besungen oder zu animalischer Gottheit erhoben. Zwar schließen heute sicherlich nur noch die wenigsten Letten Tiere in ihre Gebete ein, aber anhand des noch immer sehr lebendigen Umgangs mit den Mythen der Vergangenheit bleibt eben auch jener positive Grundbezug zu vielen Tierarten sehr präsent. - Generationenübergreifend.

 

Doch auch abseits aller religiösen Überhöhung genießen in Lettland viele Tierarten oberste Priorität, werden geschützt und wissenschaftlich beobachtet. Gründe hierfür sind schnell gefunden: Die lettische, generell die baltische Fauna ist so artenvielfältig wie kaum eine andere in Europa. Niedrige menschliche Besiedlungsdichten und in weiten Teilen ursprüngliche Naturlandschaften schufen optimale Lebensräume.

 

Reh
Weibliches Reh.

Der bereits 1920 gegründete Nationalpark Slitere im äußersten Nordwesten Lettlands ist so ein Gebiet. Hier leben Dachse, Elche, Füchse, Biber sowie vereinzelte Wölfe und eine Reihe seltener Vogelarten im Grunde deshalb einträchtig zusammen, weil man ihnen den dafür benötigten Raum lässt. Beträchtliche Teile des Reservats sind für Menschen, auch für Wissenschaftler, komplett gesperrt. Andere Bereiche sind nur in fachkundiger Begleitung betretbar.

 

Zudem zeigte sich Lettland in der Vergangenheit auch für die Neuansiedlung bzw. das Aussetzen neuer oder im Geschichtsverlauf ausgestorbener Arten sehr geeignet. Biber, Wildschweine und Rotwild beispielsweise waren in der lettischen Natur nicht zu jeder Zeit präsent. Auch deshalb, weil man es mit dem Artenschutz nicht immer so genau genommen hat. Gemeint sind vornehmlich die Blütezeiten der Jagd (18. und 19. Jahrhundert), als es freilaufenden Tieren noch verstärkt an den Kragen ging.

 

Der Braunbär ist kein "Problembär" in Lettland. Er ist heimisch in der freien Natur. (Dieser Bär ist allerdings aus dem Rigaer Zoo, Mezaparks.)

Mit dem Gesinnungswandel der vergangenen Jahrzehnte kamen auch die Tiere zurück, so geschehen beim Biber, dessen Bestand in Lettland heute wieder auf fast 100.000 Exemplare geschätzt wird. Bei Wildschweinen und Rotwild soll die Rückkehr ähnlich unproblematisch und zahlreich geschehen sein. Für alle Beteiligten sicherlich ein gutes Zeichen.

 

Dass Umweltschutz und Artenvielfalt in der Regel Hand in Hand gehen, zeigt in Lettland nicht zuletzt der Fischotter. Infolge hoher industrieller Wasserbelastungen galt seine Art über lange Strecken der Sowjetära als gefährdet. Erst die schrittweise Einführung gezielter Umweltschutzmaßnahmen (ab Mitte der 90er Jahre) konnte sein Überleben in lettischen Gewässern sichern bzw. stabilisieren.

 

Wolf
Der scheue Wolf im lettischen Wald.

Zugegebenermaßen sind die meisten tierischen Besonderheiten auch in Lettland zu scheu, um bei Wanderungen in freier Natur zwangsläufig aufzutauchen. In der Regel werden nur absolute Kenner oder Glückspilze auf sie treffen, was jedoch nicht immer von Nachteil sein muss.

 

So gibt es im äußersten Osten des Landes, entlang der Grenze zu Russland etwa, einige Braunbären mit ausgeprägtem Jagdinstinkt. Höchst unwahrscheinlich zwar, auf einen zu treffen, aber ein wenig Vorsicht ist hier definitiv geboten. Der Rest ist im Grunde friedlich.

 

Abschließend en bloc eine kleine Auswahl typisch lettischer Tiervorkommen: Hasen, Füchse, Hirsche, Rehe, Marder, Wildschweine, Otter, Biber, Wölfe und sogar Nerze sind in den Wäldern und Gewässern heimisch. Hinzu kommen gefährdete Arten wie Braunbären, Luchse, Elche und Wisente, die allesamt geschützt werden. Zahlreich vertreten und überdies häufig sichtbar ist der Storch, andere Vogelarten nutzen die Sumpflandschaften als Raststätte für den Weiterflug.

 

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