Lettland

Die Natur in Lettland - Vielfältig und wunderschön

Zunächst einmal ist Lettland stark eiszeitlich geprägt. Das Relief ist überwiegend flach, mit nur wenigen nennenswerten Erhebungen. Die höchste davon ist der exakt 311 Meter hohe Gaising im Osten des Landes (Mittellivländischer Höhenzug). Und er wäre wohl noch etwas niedriger, wenn sich nicht vor rund 8 bis 10 Jahrtausenden die mächtigen, bis zu 2.500 Meter dicken Eisgletscher immer weiter in Richtung Norden zurückgezogen hätte.

 

Moor
Wasserreiches Lettland: Moorlandschaft.

Lettland war sprichwörtlich eine schwere Last von den Schultern gefallen, und das Land erhob sich gleich mehrere Meter – heute gut zu erkennen an den sich bis zu 40 Kilometer weit ins Landesinnere erstreckenden, äußerst flachen Küstenstreifen.

 

Eine weitere, vor allem in Meernähe allgegenwärtige Reminiszenz an den Rückzug des Eises ist der Findling. Die teils mehrere hundert Tonnen schweren Gesteinsbrocken durchziehen stellenweise die Regionen, als seien sie vom Himmel gefallen.

 

Unguru
Seenlandschaft: Am See Unguru.

Viele lettische Landschaften, sowohl an der Küste als auch im Landesinneren, sind nahezu menschenleer, sodass man nicht nur als Besucher auf Zeit zwangsläufig eine hohe Naturverbundenheit verspürt. Auch die Letten selbst, ob jung oder alt, haben in der Regel einen bemerkenswert guten Draht zur Natur im Allgemeinen und ihren vielfältigen, regional bzw. geographisch bedingten Variationen.

 

Wiesenlandschaft
Wiesenlandschaft.

Dennoch gibt es „Naturkonstanten“, die auch überregional Gültigkeit besitzen und für Lettland schlichtweg charakteristisch sind. So sind stattliche 40% der Landesfläche bewaldet, häufig mit Kiefern-, Fichten- oder Birkenwäldern. Hinzu kommt ein enormer Wasserreichtum – einerseits durch zahlreiche Flüsse und Seen, andererseits durch Moor- und Sumpfgebiete. Letztere bedecken zusammen weitere 10% des Landes.

 

Waldlandschaft
Waldlandschaft im Alūksnes rajons.

Die Zahlen deuten bereits an, was Erkundungen vor Ort in beeindruckender Form bestätigen: Lettland ist ein wahres Naturspektakel. Ob in Küstennähe oder weit im Landesinneren – Naturfreunden fällt es in der Mitte des Baltikums keinesfalls schwer, in angenehmes Staunen zu geraten. Vieles davon wird inzwischen auch offiziell als schützenswert angesehen. Verteilt über die Republik gibt es mehrer Nationalparks und Naturschutzgebiete.

 

So zum Beispiel der rund 60 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Riga beginnende Gauja-Nationalpark, über die Schnellstraßen A2 und A3 angenehm erreichbar. Seinen Namen verdankt das Reservat der Gauja, dem längsten Fluss auf lettischem Staatsgebiet. Selbiger hat sich im Laufe der Jahrtausende tief in den für die Region typischen, roten Sandstein gegraben und beiderseits des Ufers prächtige Feucht- und Trockenlandschaften entstehen lassen.

 

Flusslandschaft
Flusslandschaft im Nord-Gauja.

Entsprechend wird der Fluss auf seinem Weg in den Rigaischen Meerbusen von zahlreichen Wanderwegen begleitet, die je nach Belieben solo oder auch als offizielle Führung erkundet werden können. Angesichts der landschaftlichen Vielfalt ist letztere Variante als weitaus informativere „Gangart“ anzusehen. Boots- bzw. Kanutouren werden ebenfalls angeboten. Ein Tipp noch für alle, die gerne einen Tag dranhängen wollen: Es gibt in der Region ausreichend Camping- und Zeltplätze, auf denen man anheuern kann.

 

Auch Tierliebhaber stoßen in Lettland mit etwas Glück auf Arten, die es andernorts kaum noch gibt. Dazu gehören Elche, Biber, Luchse oder Wisente, aber auch Wölfe (sehr scheu, allenfalls durch entferntes Gejaule hörbar) und Braunbären (nur im äußersten, extrem dünn besiedelten Osten des Landes anzutreffen) finden sich in den Listen der Tierschützer.

 

Meereslandschaft
Meereslandschaft. Ostsee im Herbst.

Hinzu kommen unzählige Vogelarten, vorzugsweise in Verbindung mit Wasser. Wie in anderen Bereichen des Baltikums sind auch hier mehrere Feuchtgebiete in Nähe der Ostsee ornithologisch sehr bedeutsam, wovon man sich mithilfe fachkundiger Führungen und mancherorts vorhandener Aussichtstürme einen sehr guten Überblick verschaffen kann.

 

Häufig anzutreffende Attraktion im Landesinneren ist hingegen der Storch, ein nationales Heiligtum der Letten, das überwiegend an bzw. auf Gehöften nistet.

 

Die Auswahl an landschaftlichen Attraktionen ist in Lettland fast unerschöpflich. Für viele Besucher sind sie zu einem festen Bestandteil einer Urlaubsreise in die Mitte des Baltikums geworden, um den Einheimischen im Gegenzug wichtige Einnahmen zu garantieren. Dennoch deuten sich abseits der Hauptstadt Riga bis heute keine massentouristischen Tendenzen an, sodass man vor allem in den dünn besiedelten Regionen und Naturparks des Landes – wenn auch jahreszeitlich abhängig – optimal zur Ruhe kommt.

 

 

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