Lettland

Detaillierte Informationen zur Religion in Lettland

Im religiösen Leben Lettlands haben die Reformation und der damit verbundene Zerfall des Deutschen Ordens (Anfang des 16. Jahrhunderts) bis heute große Spuren hinterlassen. Die nachfolgende Gegenreformation blieb weitgehend erfolglos, sodass die evangelisch-lutherische Kirche in Lettland traditionell als führend anzusehen ist. Sie wurde bereits 1554 zum Staatsglauben erhoben.

 

Lutherische Kapelle
Kapelle auf dem lutherischen Friedhof bei Lielstraupe.

Das Bekenntnis hierzu ist in großen Teilen der Bevölkerung bis heute ungebrochen, bloß lässt die aktive Partizipation am religiösen Leben zusehends nach. Die Zahl der eingeschriebenen Kirchenmitglieder sinkt stetig, während sich die Lücken auf den Kirchbänken zusehends vergrößern.

 

Es scheint, als habe die Religion im Zuge sich ausbreitender Selbstverwirklichungsoptionen auch in Lettland rasch an Boden verloren. Nicht so sehr vielleicht auf dem Land, ganz bestimmt jedoch in Riga, dem urbanen Zentrum der baltischen Republik.

 

Weitere, zumindest statistisch ausgeprägte Glaubensrichtungen sind die katholische (ca. 20% der Bevölkerung) und die russisch-orthodoxe Kirche (ca. 5%), zu der sich – der Name lässt es unschwer erkennen – vor allem die aus Russland abstammenden Bevölkerungsanteile bekennen. Historisch betrachtet handelt es sich hierbei um die neueste der drei in Lettland verwurzelten Glaubensrichtungen. Sie war im Zuge der massenhaften Rekrutierung von Fremdarbeitern aus dem Osten der Sowjetunion ins zentrale Baltikum gelangt.

 

Wie nahezu überall im Ostblock hatten aktiv am religiösen Leben teilhabende Bürger auch in Lettland mit empfindlichen Repressalien zu rechnen. Ausgeübter Glaube war bekanntermaßen Opium fürs Volk, Andersdenkende wurden beschattet, verfolgt und aller Karrierechancen beraubt. Insofern war Religionsverdrossenheit in Lettland auch ein Stück historische Notwendigkeit, um nach dem Zerfall des Sowjetregimes jedoch nicht die von vielen erhoffte Umkehr zu erfahren.

 

Der Rahmen für eine verstärkte Rückbesinnung auf den Glauben wäre jedenfalls gegeben. Gerade in Riga wurde mit Beginn der 2. Unabhängigkeit (1991) viel Geld in die Restaurierung von Gotteshäusern gesteckt. Kirchliche Kunstschätze, die zum Schutz jahrzehntelang im Ausland aufbewahrt worden waren, kamen wieder an Ort und Stelle. Den lettischen Glauben konnte es dennoch nicht beflügeln.

 

Nichtsdestotrotz rückten die Kirchen des Landes im Zuge der Investitionen zumindest in touristischem Kontext verstärkt in den Vordergrund. In Riga beispielsweise stehen der Besuch von Dom, Petri- und/oder Anglikanischer Kirche für Tausende Besucher jährlich fest auf dem Besichtigungsprogramm. Doch auch außerhalb der Metropole sind nicht selten schöne Gotteshäuser anzutreffen.

 

Die wichtigsten lettischen Feiertage offenbaren indes deutliche Spuren einer noch immer präsenten, vorchristlichen Glaubenstradition. Inhaltlicher Ursprung dieser als Dievturiba bezeichneten, altlettischen Religion ist in erster Linie der Bezug des Menschen zur Natur und ihren periodisch wiederkehrenden Phänomenen.

 

Beispiel Sommersonnenwende: Alljährlicher Höhepunkt des am 21. Juni in rund 20 Stunden Tageslicht gipfelnden Naturspektakels ist in Lettland das Johannisfest. Zwei Tage lang wird Jāņi, so der landessprachige Name, von vielen Bürgern des Landes feierlich begangen. Besonderes sehenswert sind die so genannten Johannisfeuer, die entlang der Küste – zumeist in unmittelbarer Strandnähe – entfacht werden. Aber auch in den Städten, vor allem in Riga, findet nun ein buntes, sommerlich inspiriertes Leben mit zahlreichen Veranstaltungen statt.

 

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