Lettland

Geschichte Lettland - Mittelalter bis 20. Jahrhundert

Obwohl die Siedlungsgeschichte lettischer Stämme im Ostseeraum bis ins frühe Mittelalter verbrieft ist, kann von „Lettland“ als territorialer Einheit erst seit Ende des 1. Weltkriegs die Rede sein. Stichtag hierfür war der 18.11.1918 – Geburtsstunde der Ersten Republik Lettland und historischer Wendepunkt in einem Jahrhunderte alten Wechselspiel aus Krieg und Fremdherrschaft zugleich.

 

Zuvor erstreckten sich weite Teile Lettlands über eine historische Landschaft namens Livland. Hier, stets nahe der Ostsee, siedelten seit dem 9. Jahrhundert die Stämme der Lettgallen, Liven, Kuren, Selen und Semgaller an. Schnell war man sich darüber im Klaren, den richtigen Platz für eine dauerhafte Niederlassung gefunden zu haben.

 

Im Laufe der Zeit schienen jedoch mehr und mehr Völker auf die Vorzüge der stark bewaldeten Gebiete rund um die Rigaer Bucht aufmerksam zu werden. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Region vom Deutschen Ritterorden unterworfen und vollends missioniert. Von nun an stellten Abgesandte aus Mitteleuropa die Bildungs- bzw. Oberschicht. Es war der Beginn einer nachhaltigen, bis in die heutige Zeit hinein spürbaren Einflussnahme deutschen Denkens in die Geschicke des Baltikums.

 

Zeitgleich entwickelte sich vor allem die rasant wachsende Hafenstadt Riga zu einem wahren Wirtschaftsmotor. Die heutige Hauptstadt Lettlands wurde 1201 gegründet und fungierte – soweit ihre weltliche Bedeutung – lange Zeit als Knotenpunkt der Hanse. Doch auch für den Klerus war Riga das regionale Machtzentrum schlechthin und wurde Bischofssitz.

 

Nach dem Zerfall des Ordensstaates im Jahr 1561 gelangten Livland und damit auch Riga in polnische Hände, 1629 folgte Schweden. Es handelte sich um eine Periode langwieriger Konflikte im bzw. um den baltischen Ostseeraum. Zunächst der Livländische Krieg (1558-1583), dann Ausläufer des 30-jährigen Krieges (1618-1648) und schließlich der Große Nordische Krieg der Jahre 1700 bis 1721.

 

Die Zielsetzung war jeweils klar: Wer sich auf der Achse Tallinn-Riga behaupten konnte, hielt einen der wichtigsten ökonomischen Schlüssel jener Tage in Händen – freien Zugang zu den Häfen der Ostsee und Wirtschaftsbeziehungen bis weit in den Westen Europas hinein. Livland und zugleich Riga hatten derweil den Preis für ihre exponierte Lage zu zahlen.

 

So etwas wie Kontinuität – wenn auch nicht im positiven Sinne – kehrte in die Region erst mit Ablauf des 18. Jahrhunderts zurück. Inzwischen schwangen russische Truppen an der Ostsee das Zepter, und die Gebiete des heutigen Lettlands sollten bis zur Proklamation der Ersten Republik im Jahr 1918 Teil des riesigen Zarenreichs bleiben.

 

Das lettische Nationalbewusstsein indes war nun lange genug mit Füßen getreten worden. Ähnlich wie in Estland keimten im Verlauf des 19. Jahrhunderts auch hier erstmals nationalistische Gedanken zu einer kraftvollen Bewegung. Im Dunstkreis des gerade erst unter hohen Verlusten beendeten 1. Weltkriegs vermochten weder Deutschland noch Russland, die Lage im Baltikum länger unter Kontrolle zu halten. Der Zeitpunkt für die Autonomie schien nun gekommen, und Lettland erblickte das Licht der Welt.

 

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