Lettland

Geschichte Lettland – Staatsgründung bis ins 21. Jahrhundert

Der Staatsgründung im November 1918 folgte eine rund 20 Jahre währende Epoche der politischen Eigenständigkeit. Die Landesgrenze Lettlands hatte man gemäß dem regionalen Sprachgebrauch angepasst, womit Kurland, Teile Livlands sowie Lettgallen der neu gegründeten Republik angehörten. Erster Premier des Landes war Karlis Ulmanis.

 

Deutsche Truppen Riga
1916: Der Einmarsch deutscher Truppen in Riga.

Selbiger führte sein Land über die Enteignung deutsch-baltischer Großgrundbesitzer in eine Phase des wirtschaftlichen Erwachens, die auch einen Staatsstreich im Jahr 1934 schadlos überstand. Das Außergewöhnliche daran: Ulmanis höchstselbst hatte sich seiner parlamentarischen Macht beraubt und gründete ein autoritäres Regime.

 

Lettland war damit über Nacht Schauplatz eines bizarren Machtspiels geworden. Das Volk hingegen dankte es Ulmanis mit unverminderter, ja steigender Popularität. So irrational es heute klingen mag, in der Folgezeit ging in Lettland alles weiter seinen gewohnten Weg. Weder Terror noch Chaos prägten fortan das alltägliche Leben, sondern unverminderter Aufschwung und sprunghafte Verbesserungen in der Bildungspolitik.

 

In Deutschland machte sich fast zeitgleich Adolf Hitler daran, dem Glauben an das Gute im Diktator jeglichen Zauber zu nehmen. In die schier endlose Liste seiner Verbrechen gehört nicht zuletzt auch jener geheime Passus eines mit Josef Stalin geschlossenen Nichtangriffspaktes (Hitler-Stalin-Pakt, August 1939), der Lettland und das Baltikum dem Expansionsbestreben des russischen Diktators vorbehaltlos auslieferte.

 

Entsprechend rigide ging Stalin zu Werke und fügte seinem immensen Machtbereich am 05.08.1940 ein weiteres Puzzleteil hinzu – die Lettische SSR. Nachdem Hitlers Soldaten 1941 doch Richtung Moskau marschierten (Unternehmen Barbarossa), fiel Lettland für fast drei Jahre in die Hände der Wehrmacht. Tausende lettische Juden bezahlten dies mit ihrem Leben, aber auch für große Teile der Mehrheitsbevölkerung war dies bloß der Auftakt in eine der denkbar schwärzesten Epochen.

 

Denn auch die Rückeroberung durch die Rote Armee im Jahr 1944 änderte nur wenig zum Positiven. Ganz im Gegenteil kam es zu einem blutigen Partisanenkampf gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Truppen Stalins, welcher Tausende Letten zu Zwangsarbeitern machte, wegsperren oder ermorden ließ. Rund 120.000 Menschen kamen hierdurch ums Leben.

 

Die Überlebenden des Freiheitskampfes mussten sich hingegen an den Gedanken gewöhnen, dauerhafter Teil einer sowjetischen Teilrepublik zu sein. Die Fortschritte vergangener Tage – gesellschaftlich wie ökonomisch – gingen rasch im kommunistischen Einheitsbrei unter. Maßgeblich war nun nahezu ausschließlich, was in Moskau gedacht wurde.

 

Erst mit dem Zusammenbruch des Sowjetsystems konnte sich die Ostseerepublik aus der Umklammerung lösen. Am 04.05.1990 beschloss das Parlament die erneute Schaffung einer unabhängigen Republik Lettland – mehr als siebzig Jahre nach der ersten Staatsgründung. In der Folge wurde eine letzte Machtprobe mit dem großen Nachbarn Russland, wenn auch nicht unblutig, überstanden (Militäreinsatz in Riga, Januar 1991).

 

Am 03.03.1991 bestätigte schließlich ein Volksentscheid, was das Parlament bereits zuvor beschlossen hatte. Die große Mehrheit der Bürger entschied sich für einen souveränen, demokratischen Staat, sodass die Unabhängigkeit am 21. August 1991 endgültig in Kraft treten konnte. Lettland war nun tatsächlich frei.

 

Mit der Aufnahme in die UN kam am 17. September 1991 der erste wichtige Schritt in die Internationalisierung. Die rasche Anbindung an den Westen stand dabei stets ganz oben auf der Agenda. Bereits 1995 stellte Lettland als erster der drei Baltischen Staaten einen EU-Aufnahmeantrag, dem 2002 entsprochen wurde (auf dem EU-Gipfel in Kopenhagen).

 

Seit Mai 2004 gehört nun auch Lettland der Europäischen Staatengemeinschaft an. Ein EU-Referendum hatte dem 2003 mit klarer Mehrheit zugestimmt (67% der Bev.), und auch der Eintritt in die NATO gehört für Lettland inzwischen längst der Vergangenheit an. Schlussendlich scheint die Baltenrepublik auf ihrem angestrebten Weg nach Westen weit vorangekommen zu sein – wenn auch hart erkämpft.

 

Suche